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bxm – benning crossmedia

· 6 Min. Lesezeit

Der Arbeitsplatz ist Ihr stärkstes Argument. Zeigen Sie ihn

Bewerber vergleichen nicht nur Gehälter. Sie vergleichen, wie es aussieht, wo sie den Tag verbringen sollen. Die meisten Betriebe zeigen davon nichts.


Ein Handwerksbetrieb sucht seit acht Monaten einen Monteur. Die Stellenanzeige nennt Gehalt, Urlaubstage und einen Firmenwagen. Sie könnte von jedem der elf Betriebe im Umkreis stammen.

Was der Betrieb nicht erwähnt: Die Werkstatt ist beheizt und hell. Es gibt einen Aufenthaltsraum mit richtiger Küche. Werkzeug wird ersetzt, wenn es verschlissen ist, und nicht, wenn es kaputt ist. Der Chef fährt bei schwierigen Aufträgen selbst mit raus.

Das sind genau die Dinge, über die abends in der Familie gesprochen wird, wenn jemand überlegt, ob er wechselt. In der Anzeige stehen sie nicht.

Warum das Gehalt nicht der Hebel ist, für den man es hält

Beim Gehalt können Sie fast nie gewinnen. Der größere Betrieb im Nachbarort zahlt hundert Euro mehr, und wer nur wegen der hundert Euro kommt, geht auch wieder wegen hundert Euro.

Beim Arbeitsplatz können Sie gewinnen, und zwar gerade als kleiner Betrieb. Ein Konzern kann seine Werkstatt nicht so persönlich machen wie Sie. Er kann keinem Bewerber sagen, dass der Chef mitfährt.

Der Haken: Was Sie nicht zeigen, existiert für den Bewerber nicht. Er sieht Ihre Anzeige, Ihre Website und vielleicht Ihr Google-Profil. Wenn dort nichts über den Alltag steht, vergleicht er Sie mit den anderen anhand des Einzigen, was alle nennen: Geld.

Was Bewerber tatsächlich wissen wollen

Nach den Gesprächen, die ich mit Betrieben und deren neuen Mitarbeitern geführt habe, sind es immer dieselben Fragen. Keine davon steht in üblichen Stellenanzeigen.

Wie sieht es dort aus, wo ich arbeiten soll? Werkstatt, Fahrzeug, Aufenthaltsraum, Umkleide.

Mit wem arbeite ich? Wie groß ist das Team, wie lange sind die Leute schon da? Ein Betrieb, in dem drei Leute seit über zehn Jahren arbeiten, hat damit ein stärkeres Argument als mit jeder Formulierung über Betriebsklima.

Wie ist der Tag getaktet? Wann ist Feierabend, und gilt das auch freitags? Wie oft kommt Not- oder Wochenenddienst vor?

Was passiert, wenn etwas schiefgeht? Wer deckt mir den Rücken?

Was kann ich in drei Jahren? Wird Weiterbildung bezahlt, gibt es einen Weg zum Meister?

Die Antworten haben Sie längst. Sie stehen nur nirgends.

Sicherheit und Gesundheit sind kein Papierkram

Die Pflichtseite kennen Sie: Unterweisungen, Schutzausrüstung, Gefährdungsbeurteilung. Das ist gesetzlich vorgegeben und Sie machen es ohnehin.

Der Teil, den kaum jemand nutzt, ist die Wirkung nach außen. Ordentliche Ausrüstung, die nicht zusammengespart wird, ist ein Argument. Werkzeug, das ersetzt wird, bevor es gefährlich wird, ist ein Argument. Ein Betrieb, in dem seit Jahren nichts Ernstes passiert ist, hat etwas vorzuweisen.

Die Internationale Arbeitsorganisation weist jedes Jahr auf die weltweite Zahl arbeitsbedingter Unfälle hin und richtet dafür am 28. April einen Aktionstag aus. Für Ihre Anzeige brauchen Sie diese Zahlen nicht. Es genügt, sichtbar zu machen, dass es bei Ihnen anders läuft als in dem Betrieb, aus dem der Bewerber gerade wegwill.

Wie Sie es sichtbar machen

Fotografieren Sie den Arbeitsplatz. Werkstatt, Fahrzeug innen, Aufenthaltsraum, Team bei der Arbeit. Mit dem Telefon bei Tageslicht. Keine Stockbilder, die erkennt jeder.

Schreiben Sie den Alltag in die Anzeige. Nicht „familiäres Betriebsklima“, sondern „Wir sind sieben. Frank ist seit vierzehn Jahren dabei, Melanie seit neun. Freitags ist um 14 Uhr Schluss.“ Konkret schlägt schön.

Bringen Sie die Bilder dorthin, wo gesucht wird. Auf eine eigene Seite Ihrer Website, in Ihr Google-Unternehmensprofil und in die Anzeige selbst. Wie Sie das Profil dafür herrichten, steht in das Profil richtig aufsetzen.

Lassen Sie Ihre Leute selbst zu Wort kommen. Zwei Sätze von einem Mitarbeiter, warum er geblieben ist, wirken stärker als jeder Text, den Sie über sich schreiben. Wie Sie eine Anzeige aufbauen, die überhaupt gelesen wird, steht in Ihre Stellenanzeige findet niemand.

Zeigen Sie es, bevor Sie suchen. Wer erst mit der Anzeige anfängt, kommt zu spät. Wer über das Jahr sichtbar macht, wie es bei ihm zugeht, hat Bewerber, bevor er sucht. Ein guter Anlass dafür ist der Girls’ Day, an dem Sie ohnehin Betrieb zeigen.

Was Sie in der nächsten Woche tun können

1. Zwanzig Fotos machen. Werkstatt, Fahrzeuge, Aufenthaltsraum, Team. Zwanzig, damit fünf gute dabei sind.

2. Drei Sätze über den Alltag schreiben. Teamgröße, Zugehörigkeit, Feierabend.

3. Zwei Mitarbeiter fragen, warum sie geblieben sind, und die Antwort wörtlich notieren.

4. Beides in die nächste Anzeige nehmen und die Floskeln streichen.

5. Fünf Bilder ins Google-Profil laden.

Wo ich dabei helfe

Fotografieren und fragen können Sie selbst, und es ist glaubwürdiger, wenn Sie es tun.

Meine Arbeit ist das Drumherum: eine Karriereseite, die den Alltag zeigt, statt Floskeln zu wiederholen, Anzeigentexte, die gelesen werden, und ein Fototermin, wenn die Handybilder nicht reichen. Das gibt es als Projekt oder ab Stufe 3 in der laufenden Betreuung.

Fangen Sie mit den Fotos an. Sie kosten nichts, dauern eine halbe Stunde, und ohne sie bleibt jedes Argument über Ihren Arbeitsplatz eine Behauptung.

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